Mit einer Geschichte von mehr
als hundert Jahren gilt der Müller-Thurgau als
älteste und gleichzeitig erfolgreichste Neuzüchtung.
Professor Hermann Müller, aus dem Schweizer Kanton
Thurgau, züchtete in der Forschungsanstalt
Geisenheim diese Rebsorte.
Neuere Genuntersuchungen
deuten darauf hin, dass ihm dies durch eine Kreuzung
von Riesling und Gutedel oder durch eine Kreuzung
von Riesling und Madeleine royale gelang. Ein
einheitliche Lehrmeinung dazu steht noch aus. In der
schweizerischen Forschungsanstalt Wädenswil wurde
die Sorte weiterentwickelt und 1913 nach ihrem
Züchter benannt. Das Synonym Rivaner ist eine
Kurzfassung der Worte Riesling und Silvaner. Diese
beiden Sorten sah man lange Zeit als Eltern des
Müller-Thurgau an.
Geschmack
Meist handelt es sich um trockene oder restsüße
Qualitätsweine. Der Müller-Thurgau ist - von
Ausnahmen abgesehen - kein lagerfähiger Wein und
schmeckt in den ersten Jahren nach der Ernte am
besten. Hier und da werden auch
"sur lie"-Weine
angeboten, die bis kurz vor der Abfüllung auf der
Feinhefe lagen.
Genuss
Die unkomplizierten Weine sind geschmacklich leicht
zugänglich und werden aufgrund ihrer harmonischen
Charaktereigenschaften gerne getrunken. In der Farbe
sind sie blassgelb bis hellgelb. Tragen sie die
Bezeichnung Rivaner auf dem Etikett, so kann man
davon ausgehen, dass es sich um einen trockenen,
eher jugendlichen, leichten und frischen Wein
handelt. Müller-Thurgau-Weine sind meist
unkomplizierte Zechweine und sie eignen sich zu
zart-aromatischen Speisen.
Bedeutung
In der deutschen Weinlandschaft gab der
Müller-Thurgau seine Führungsposition vor fünf
Jahren an den Riesling ab. Doch mit einem
Flächenanteil von fast 20 Prozent hat der Rivaner
nach wie vor eine überragende Bedeutung im deutschen
Weinbau. Dass er heute auf 18.600 Hektar wächst,
verdankt er unter anderem seinen vielfältigen
Einsatzmöglichkeiten und seiner Zugänglichkeit auch
für Nichtweinkenner. Zudem stellt die
Müller-Thurgau-Rebe keine großen Ansprüche bezüglich
des Standorts und gilt als ertragssicher.
Anbau
Müller-Thurgau-Reben stehen in fast allen deutschen
Anbaugebieten. In sieben von dreizehn deutschen
Weinbaugebieten zählen sie gar zu den
"Classic"-Rebsorten. Die größten Flächen haben wir
in Rheinhessen mit 5600 und Baden mit 4200 Hektar;
nicht viel weniger sind es in der Pfalz (4100
Hektar). An der Mosel und in Franken sind jeweils
rund 2400 Hektar mit Müller-Thurgau bestockt, an der
Nahe 900 Hektar. Die in den achtziger Jahren
eingeführte Beschränkung der zulässigen Erträge je
Hektar Weinberg hat sich gerade für den
Müller-Thurgau, der zu hohen Erträgen neigt, sehr
positiv ausgewirkt. Bei geringerem Anschnitt zeigt
die Sorte ihr wahres Qualitätspotenzial.
Ausbau
Die Rebsorte reift früh und liefert süffige,
manchmal blumige, mit einem feinfruchtigen
Muskataroma versehene Weine. Die Säure fällt eher
mild, bei Weinen nördlicher Herkunft mitunter auch
etwas betonter aus. Der Ausbau erfolgt meist in
Edelstahltanks, mit denen gut die Frische und der
Sortenduft erhalten werden kann.
|